gossenpoesie

Januar 5, 2007

Retrospektiv gesehen kannten wir uns nie.

Filed under: Allgemeines — Michael @ 3:48 am

Da trifft man sich nach sechs Monaten mal wieder, oder telefoniert und fragt sich, was haben wir uns eigentlich zu sagen? Was hast du in den letzten drei Jahren gemacht, oder haben mich die letzten 18 Monate so verändert? Und während wir hier sitzen und du wieder mal vom Big Apple träumst, fallen mir die Tomaten von den Augen und 1000 Songs ein, die diesen Zustand beschreiben. Oder zumindest einer: “Ich erinner’ mich an alles” von Rantanplan. Der Wiebusch singt da “Ich weiß Menschen ändern sich. Und manche vergessen alles – tja, und manche eben nicht.” Bei Gelegenheit spiel ich es dir auf ein Tape. Aber du hat ja schon immer CSU gewählt. Im Hintergrund laufen die Smiths und du fragst was das für Schwuchtelmucke sei und ich sage “Hey, das ist der Mozzer”. “Schwuchtel” war deine Antwort. Du fandest eh immer alles schwul, was du nicht verstanden hast. Ich frage dich, was dich musikalisch zur Zeit von den Beinen haut. Du zählst mir irgendwelche Californian Reggae Artists und surfende Singer-Songwirter auf und ich denke mir: “Hippie-Scheiße”. Aber das hatten wir bereits. Dieser Small-Talk killes nearly everything. Ich: “Was machst du eigentlich an den Wochenenden? Gehst du noch in unseren ehemaligen Stamm-Indie-Club?” Du: “Hey, ne, da ist es doch langweilig. Ich geh’ nur noch zu Bierzeltfesten oder mal zum Starkbieranstich beim örtlichen Fußballverein. Da kann man sich wenigstens ordentlich günstig besaufen.” “Aja.” Und während unser Gespräch dahinplätschert wie der Zimmerbrunnen in deiner scheinbar aus dem Ikea-Katalog ausgeschnittenen Wohnung, bemerke ich, dass mein Bier leer und meine Kippe abgebrannt ist. “Du, ich mach dann mal los, ich wollte noch n bißchen schreiben.” “Was schreibst du denn?” “Gedichte und Kurzgeschichten. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? Ich könnte dir da ein ganz gutes empfehlen.” “Ich lese doch nicht. Höchstens mal die Bild-Zeitung morgens beim Kacken auf dem Klo. Und übrigens, Katha kommt eh gleich, aber wir besuchen dich bald mal und melde dich mal, wenn du mal wieder hier bist.” “Is’ klar, lass ma’ stecken. Ich wünsche dir schon mal nen guten Rutsch.” Es ist übrigens September.

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